• Katja

Wer kann Coach werden?

Aktualisiert: 29. März

Wenn ich jetzt sagen würde, jeder, wäre das vermutlich zu weit gegriffen. Aber irgendwie stimmt es trotzdem. Denn der Begriff "Coach" bzw. "Coaching" ist nicht geschützt und es gibt keine Ausbildungsverordnung dazu. Damit kann grundsätzlich jeder in Deutschland Coach, BeraterIn oder TrainerIn für bestimmte Themen werden. Dazu bedarf es keiner Ausbildung.



Nichts desto trotz bin ich u.a. aus Erfahrung der Überzeugung, dass es nicht für jeden geeignet ist. Wie komme ich dazu?


Formale Einschränkungen


Es gibt Ausbildungsunternehmen, die bestimmte Teilnahmevoraussetzungen festsetzen. Da kann es sich z.B. um ein Mindestalter handeln. Oder es wird ein bestimmter Schulabschluss gewünscht, ab dem eine Einschreibung erst möglich ist. Zum Teil werden auch erste Erfahrungen in einem Beruf erwartet. Bei einigen Verbänden kommt dann noch eine gewisse Zeit an Coachingtätigkeit hinzu, bevor man dort aufgenommen wird.


Das macht durchaus Sinn, da Coaches immerhin nach der Coaching Ausbildung mit anderen Menschen an deren kritischsten Themen arbeiten. Dazu ist eine gewisse Reife, Reflexionsfähigkeit, Lebenserfahrung und Lernfähigkeit durchaus von Nöten. Auch sind die vermittelten Inhalte während der Ausbildung zum Teil im Selbststudium aufzunehmen und zu verstehen, um diese später in der Praxis umzusetzen.


Seelische Einschränkungen


Im Coaching, als auch in der Beratung kommen wir mit Ängsten, Aggressionen, Emotionen, Traumata, Missbrauch, Konflikten und Prägungen anderer Menschen sehr eng in Berührung. Nicht jeder Mensch ist dafür geschaffen, diese "Geschichten" zu hören, geschweige denn sie auch für sich selbst gesund zu verarbeiten und damit umzugehen. Im schlimmsten Fall lösen die Erzählungen der KundInnen in einem Selbst psychisch unverarbeitete Themen aus. Das schadet sowohl dem Kunden als auch dem Coach selbst, wenn dieser die Übertragung durch den Kunden bzw. das Getriggert werden, nicht bewusst wahrnimmt und weiß damit umzugehen.


Ich habe selbst Coaches kennen gelernt, die sich (nicht aus Überarbeitung, wie irrtümlich gemeinhin angenommen wird) ins Burnout (mentale Erschöpfung) verabschiedet haben.


Seelische Stabilität, eigene vorherige Persönlichkeitsentwicklung, Reflexionsfähigkeit und die Fähigkeit im "Bild des Kunden" sein zu können, ohne sich selbst darin zu verlieren, zeichnen einen guten Coach/Berater aus.


Einschränkende Glaubenssätze und Muster


In der Arbeit mit anderen Coaches und BeraterInnen habe ich sowohl bei mir selbst, als auch bei den anderen immer wieder feststellen können, dass einschränkende Glaubenssätze und Muster den Weg zur Arbeit als Coach, als auch die Arbeit mit KundInnen blockiert haben. Das mag jetzt erst einmal sonderbar klingen, aber wir alle wurden von Klein auf von unseren Eltern, unserer Umgebung und von der Gesellschaft geprägt. Wir haben gehört, was wir zu tun und zu lassen haben. Wir haben die Ängste unserer Eltern, deren Eltern durch unsere Erziehung, durch unsere Wahrnehmung aufgenommen. Dazu kamen eigene Erfahrungen und Erlebnisse, die ebenfalls in uns Spuren hinterlassen haben. Jeder Mensch - ohne Ausnahme - basiert auf Glaubenssätzen und sich wiederholender Muster. Viele davon "beherrschen" unseren Alltag, ohne dass wir uns dessen bewusst sind.


Vermutlich kennt ihr die gängigen Glaubenssätze wie:

  • ich muss perfekt sein

  • ich darf nicht scheitern

  • Geld ist schlecht

  • Leistung bedeutet Liebe und Anerkennung

  • streng dich an

Das Problem ist, es gibt unendlich viele und teilweise sehr blockierende Glaubenssätze.


Eine Kollegin bekam einfach keine KundInnen und sie macht wirklich einen super Job. Erst nach Bewusstwerden und Auflösen der einschränkenden Glaubenssätze änderte sich diese Situation. Das ist nur ein Beispiel, wo es um den direkten Erfolg geht. Da stecken oft Glaubenssätze wie: "ich habe es nicht verdient", "ich bin nicht gut genug", "ich bin es nicht wert, gesehen zu werden" dahinter.


Eingeschränktes Interesse


Wer glaubt, die Tätigkeit als Coach "mechanisch" ausüben zu können - also lediglich mit Methoden und Techniken, der ist auf dem falschen Weg. Es gehört eine gehörige Portion Interesse an psychologischen Zusammenhängen, Persönlichkeitsentwicklung und an den Problemen und Konflikten der KundInnen dazu.


Einfühlungsvermögen, ohne mit zu leiden (mitfühlen ist hier der passende Ansatz) und Akzeptanz für das Gegenüber, auch wenn man selbst das Gefühl hat, der andere übertreibt oder die Lösung ist doch ganz einfach, sind aus meiner Sicht Grundvoraussetzung für eine gelingende Zukunft als Coach.


Was auch dazugehört, ist das Interesse an Marketing und an der heutigen Art und Weise Kunden zu generieren. Man kann als Coach noch so gut sein, aber wenn man sich nicht in seiner Nische als Experte auf dem Markt etabliert bekommt, hat man keine KundInnen. Dieser Faktor wird von vielen angehenden Coaches stark unterschätzt.


Fazit


Es gehört doch mehr dazu, als "nur" eine Coaching Ausbildung zu machen. Nicht jeder eignet sich zum Coach/Berater, auch wenn rein faktisch, jeder dies sein kann.




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